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Fehlende Rettungsgasse auf der A8: Bequemlichkeit, Ignoranz oder doch Unwissenheit?

Rettungsgasse24
Herausgegeben von in So nicht ·
Bei den Unfällen am Montag auf der Autobahn zwischen Zusmarshausen und Leipheim haben sich viele Fehler der Verkehrsteilnehmer aneinandergereiht. Sie sollten es besser wissen.  Von Christian Kirstges

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Bei Unfällen reagieren viele falsch.                                                                                                                             Foto: Alexander Kaya (Symbolbild)

Sind sie zu bequem, zu unaufmerksam, zu unfähig – oder machen sie das mit Absicht? Wer regelmäßig auf der Autobahn unterwegs ist, kann sich diese Frage schon stellen. Die einen Verkehrsteilnehmer blinken nicht, andere drängeln, wieder andere blockieren trotz über Kilometer freier rechter die mittlere Spur – und viele haben offenbar immer noch nicht verstanden, wofür eine Rettungsgasse da ist und wie sie gebildet wird. Während das eine und das andere nervig und mitunter vielleicht gefährlich ist, kann das letztere mit nichts entschuldigt werden. Denn es kann Leben kosten.

Seit Jahren ist dieses Thema Gegenstand von Berichten bei Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst, Beiträgen in allen Medien und auch Kommentaren in diversen Internetplattformen. Obwohl gerade da unisono kein Verständnis für die geäußert wird, die es nicht schaffen, den Einsatzkräften Platz zu machen, ändert sich nicht viel. So selbstverständlich wie dort zu lesen, ist das Ganze wohl leider eben nicht. Das war am Montag wieder auf der A8 zu erleben. Die Feuerwehr kam kaum zum Unfallort, wo zwei Menschen von einem Lastwagen getötet worden waren. Die Fahrzeuge der Autobahnmeisterei konnten sich nur im Schlepptau der Blaulichtfahrzeuge einen Weg bahnen. Es war offenbar zu viel verlangt, eine Gasse zu bilden und sie dann auch noch offen zu halten – und das im wiederholten Fall.

Man kann es verstehen, dass die Polizei kaum noch Lust hat, darüber zu sprechen. Es gibt Infokampagnen, Banner, Erklärvideos, erläuternde Berichte auch in unserer Zeitung. Und es nutzt doch alles nichts; es scheint viele nicht zu interessieren. Dabei hat sich am Montag erneut gezeigt: Es kann jeder Zeit wieder etwas passieren, auch wenn man schon Stunden auf der Autobahn feststeckt. Es kann wieder ein Fahrer trotz Warnschildern und Verkehrsfunk nicht mitbekommen, dass sich da vor ihm längst ein Stau gebildet hat. Und es kann wieder dringend Hilfe nötig sein.

Was fast noch schlimmer ist: Es scheint normal zu sein, alles zu fotografieren und zu filmen. Selbst schwerste Unfälle, selbst bei schneller Fahrt in der Gegenrichtung. Abgesehen davon, dass auch das gefährlich ist – wem wollen diese Leute das zeigen? Ihren Kindern als Schlechte-Nacht-Geschichte? Wollen sie sich von anderen Voyeuren im Internet dafür bejubeln lassen? Oder ist es für einen Videoabend mit Freunden gedacht, mit den schrecklichsten Unfällen zwischen der A1 und der A8?

Selbst wer nichts davon hält, dass künftig Autopiloten das Steuer übernehmen, könnte es sich angesichts der Unfallserien fast noch mal überlegen. So werden zumindest vielleicht mehr Unfälle verhindert. Aber dann haben die „Fahrer“ eben noch mehr Zeit zum Fotografieren und Filmen. Und der Egoismus zeigt sich auf andere Weise an anderer Stelle. Denn der stirbt leider nicht aus. Im Gegenteil.

Quelle: Augsburger Allgemeine



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